Rasendoktor · Diagnose

Schneeschimmel im Rasen, erkennen & behandeln

Schneeschimmel (Microdochium nivale) ist der Rasenpilz, den wir jeden Winter am häufigsten zu sehen bekommen: rundliche, wasserfleckig-braune Stellen, an deren Rand bei feuchter Witterung ein wattiges, weiß-rosa Myzel liegt. Er kommt bei kühlem, nassem Wetter zwischen etwa 0 und 10 °C, besonders unter Schneedecken, liegendem Laub und bei langer Blattnässe. Fungizide sind im Haus- und Kleingarten dagegen nicht zugelassen, die gute Nachricht: Der Rasen wächst bei steigenden Temperaturen im Frühjahr meist von selbst wieder zu, nur wirklich kahle Stellen brauchen Nachsaat.

Lesezeit: ca. 6 Min.
Behandelbar: Ja, über Pflege
Beste Zeit: Frühjahr (ab ca. 10 °C Bodentemperatur)
Rasenfläche mit mehreren runden, hellbraunen Schneeschimmel-Flecken nach der Schneeschmelze
Betroffen sind meistens
Spätherbst bis Frühjahr, bei mildem Wetter auch mitten im Winter Runde, wasserfleckige bis strohbraune Stellen mit wattigem weiß-rosa Rand Vor allem Deutsches Weidelgras und Poa annua; Rispe und Rotschwingel etwas weniger anfällig Schattige, windstille, schlecht abtrocknende Lagen; unter Laub, Schnee oder Trampolinen

Diagnose auf einen Blick

Ursache Pilz Microdochium nivale bei Nässe und Kühle
Typische Jahreszeit November bis April, um 0–10 °C
Schweregrad Meist oberflächlich, selten Totalausfall
Behandelbar Ja, über Kulturmaßnahmen, keine Fungizide erlaubt
Schwierigkeit
Leicht Mittel Schwer
Kann ich das selbst behandeln? Ja, mit Pflege gut selbst in den Griff zu bekommen

Sie brauchen kein Mittel, sondern Luft und Licht auf der Fläche: Laub weg, Filz raus, Stickstoff im Spätherbst weglassen. Mit steigenden Temperaturen wächst der Rasen in den meisten Fällen von allein wieder zu; nur wirklich kahle Stellen müssen Sie nachsäen.

Soforthilfe

Was jetzt zu tun ist

Das sollten Sie jetzt tun
  • Laub, Schnittgut, Äste und alles, was auf dem Rasen liegt, sofort abräumen, jeder Tag Auflage verlängert die Blattnässe
  • Schneereste nicht zusammenschieben und schon gar nicht auf den Rasen kippen: Schneehaufen liegen wochenlang und sind der klassische Schneeschimmel-Herd
  • Betroffene Flächen bei Frost, Reif und aufgeweichtem Boden nicht betreten, Sie tragen das Myzel mit den Schuhen in gesunde Bereiche
  • Sobald der Rasen abgetrocknet und frostfrei ist: befallene Stellen vorsichtig mit dem Fächerbesen oder Rechen ausharken, damit das verklebte Blattmaterial wegkommt und Luft an die Narbe kommt
  • Erst wenn das Gras wieder wächst (ab ca. 8–10 °C), den ersten Schnitt setzen, hoch, nicht unter 4 cm, und das Schnittgut restlos aufnehmen
Das sollten Sie vermeiden
  • Keine Fungizide anwenden, gegen Schneeschimmel ist im Haus- und Kleingarten in Deutschland kein Mittel zugelassen
  • Jetzt keinen stickstoffbetonten Dünger geben: weiches, schnell getriebenes Blatt ist genau das, was der Pilz braucht
  • Nicht bei nassem Boden vertikutieren, Sie reißen die geschwächte Narbe auf und verteilen die Sporen über die ganze Fläche
  • Die Flecken nicht mit Hausmitteln wie Kalk, Essig oder Backpulver behandeln; das ändert nichts am Pilz und kann den pH-Wert kippen

Sieht Ihr Rasen so aus?

Vergleichen Sie Ihren Schaden mit ähnlichen Rasenproblemen.

Rotspitzigkeit
RotspitzigkeitRosa-rote Fadenspitzen an den Blattspitzen statt wattigem Myzel, eher Sommer/Herbst bei Stickstoffmangel.
Braune Flecken im Rasen
Braune Flecken im RasenBraune Stellen ohne jede Pilzstruktur und ohne runde Form, dann steckt oft Hundeurin, Benzin, Dünger oder Verdichtung dahinter.
Kahle Stellen im Rasen
Kahle Stellen im RasenWenn nach dem Frühjahr nur noch nackte Erde übrig ist und keine Pilzsymptome mehr zu sehen sind, geht es um Nachsaat statt um Diagnose.
Moos im Rasen
Moos im RasenGleiche Ursachen, Schatten, Nässe, Filz, Verdichtung. Wo Schneeschimmel wiederkommt, sitzt sehr oft auch Moos.

Symptome

So erkennen Sie Schneeschimmel

  • Runde bis ovale Flecken von wenigen Zentimetern bis Handteller- oder Untertassengröße, die bei längerer Nässe zu großen, unregelmäßigen Flächen zusammenlaufen
  • Anfangs wasserfleckig-dunkel und speckig glänzend, später strohgelb bis hellbraun ausbleichend
  • Am Fleckenrand ein wattiges, weißes bis grau-rosa Myzelgeflecht, am besten morgens bei Tau oder direkt nach der Schneeschmelze zu sehen, tagsüber trocknet es weg
  • Die Halme kleben flach zusammen und lassen sich büschelweise abheben; das Gewebe wirkt weich und faulig, nicht spröde
  • Der Befall beginnt fast immer dort, wo Laub, Schnittgut oder ein Schneehaufen lag, im Schatten oder an windstillen Ecken
  • Die Wurzeln bleiben in der Regel intakt, deshalb treibt der Rasen im Frühjahr aus dem Rand heraus meist wieder durch
Schneeschimmel im Rasen: brauner Fleck mit wattigem weiß-rosa Pilzgeflecht am Rand
Typische Verwechslungen
  • Rotspitzigkeit: Rotspitzigkeit sitzt an den Blattspitzen und zeigt rosa-rote, geweihartige Fadenstrukturen statt eines wattigen Myzelpolsters. Sie tritt im Sommer und Herbst auf und ist ein Zeichen für Stickstoffmangel, Schneeschimmel kommt bei Kälte und wird durch zu viel Stickstoff begünstigt.
  • Trockenstress: Trockenstress zeigt keinerlei Pilzstruktur, das Gras liegt nicht verklebt, sondern ist spröde, und die Halme knicken beim Betreten nicht zurück. Er tritt bei Hitze und Sonne auf, oft zuerst an Rändern und über Leitungen, Schneeschimmel dagegen im nassen, kalten Halbjahr.
  • Hexenringe: Hexenringe wachsen ringförmig: ein dunkelgrüner oder abgestorbener Ring, innen oft normaler Rasen, häufig mit Hutpilzen darauf. Schneeschimmel bildet volle, ausgefüllte Flecken, keine Ringe, und die Flecken vergrößern sich nicht Jahr für Jahr an derselben Stelle.
  • Frostschaden / Trittschaden auf gefrorenem Rasen: Ein Trittschaden zeichnet exakt Ihre Wege nach, Fußabdrücke, Rad- oder Schuhspuren mit geraden Kanten. Schneeschimmel ist rund und breitet sich unabhängig vom Weg aus. Beides kommt allerdings oft zusammen, weil Tritt auf gefrorenem Rasen die Narbe erst für den Pilz öffnet.

Ursachen

Wie entsteht Schneeschimmel?

Wetter Kühle, feuchte Witterung um 0 bis 10 °C: lange Schneedecken auf ungefrorenem Boden, Nebel, Dauerregen und milde, nasse Winter ohne Frostperiode.
Boden Verdichtete, schlecht durchlüftete Böden, die nach Regen und Schneeschmelze tagelang nicht abtrocknen; Staunässe in Senken.
Pflege Rasenfilz über etwa 1 cm hält Feuchtigkeit direkt an der Blattbasis; liegen gebliebenes Laub und Schnittgut wirken wie eine feuchte Decke; zu tiefer letzter Schnitt schwächt die Narbe zusätzlich.
Nährstoffe Späte Stickstoffgaben im Oktober/November treiben weiches, frostempfindliches Blatt, genau das Gewebe, das der Pilz am leichtesten besiedelt. Fehlendes Kalium im Herbst macht die Halme zusätzlich anfällig.
Feuchtigkeit Lange Blattnässe ist der entscheidende Faktor: Schatten, Hecken, Mauern, Windstille und Morgentau, der bis mittags nicht abtrocknet.
Pilze / Schädlinge Microdochium nivale ist in fast jedem Rasen vorhanden und überdauert in Filz und abgestorbenem Pflanzenmaterial. Er wird nicht eingeschleppt, er wird durch die Bedingungen aktiv.

Behandlung

Schneeschimmel behandeln, Schritt für Schritt

  1. 1
    1. Auflast runter und Fläche auflichten

    Räumen Sie Laub, Schnittgut, Zweige, Gartenmöbel und Trampolin von der Fläche und schneiden Sie überhängende Hecken zurück. Alles, was Licht und Wind vom Rasen fernhält, hält die Nässe im Bestand, das ist die einzige Stellschraube, die im Winter wirklich etwas bringt.

  2. 2
    2. Bei Frost und Reif nicht auf den Rasen

    Gefrorene Halme brechen beim Betreten und geben dem Pilz eine offene Eintrittspforte; außerdem tragen Sie das Myzel mit den Schuhsohlen weiter. Legen Sie einen Umweg über den Weg oder eine Trittplatte, bis der Rasen wieder nachgibt.

  3. 3
    3. Abgestorbenes Material ausharken

    Sobald der Boden trittfest und abgetrocknet ist, harken Sie die Flecken mit einem Fächerbesen oder Rechen aus und nehmen das verklebte Blattmaterial vollständig ab. Nicht liegen lassen, nicht kompostieren-mulchen auf der Fläche, das ist das Überdauerungsquartier des Pilzes.

  4. 4
    4. Erst vertikutieren, wenn der Rasen wächst

    Warten Sie mit dem Vertikutieren, bis der Rasen im Frühjahr sichtbar treibt (etwa ab 10 °C Bodentemperatur, oft April). Dann raus mit dem Filz, auf einer wachsenden Narbe ist das eine Regenerationsmaßnahme, auf einer nassen, ruhenden Narbe eine Verletzung.

  5. 5
    5. Kahle Stellen nachsäen und bedarfsgerecht düngen

    Wo nach vier bis sechs Wochen Wachstum noch Erde durchscheint, säen Sie nach: Boden anrauen, Saatgut aufbringen, andrücken, gleichmäßig feucht halten. Der erste Dünger kommt erst mit dem Wachstum im Frühjahr, bedarfsgerecht, nicht als Stickstoffschub.

Wann wird der Rasen wieder gesund?

Erste Verbesserung 2–4 Wochen nach Wachstumsbeginn im Frühjahr
Vollständige Erholung 6–10 Wochen, bei Nachsaat entsprechend länger
Pflegeaufwand gering
Worauf achten Der Rasen wächst aus dem Fleckenrand nach innen zu, geben Sie ihm die Zeit, bevor Sie zur Nachsaat greifen. Was nach vier bis sechs Wochen aktivem Wachstum immer noch kahl ist, wächst auch nicht mehr zu und muss nachgesät werden.

Wie schnell es geht, hängt fast ausschließlich vom Wetter ab: ein zeitiger, milder Frühling schließt die Flecken oft von allein, ein kalter, nasser März zieht die Sache um Wochen in die Länge. Größe und Alter der Flecken sowie der Zustand der Wurzeln entscheiden mit, deshalb geben wir hier bewusst eine Spanne und keinen festen Termin.

Hedderich empfiehlt

Wenn Sie im Winter genau eine Sache ändern wollen: lassen Sie den Schneehaufen nicht auf dem Rasen liegen. Bei den Flächen, die wir nach dem Winter besuchen, sitzt der schlimmste Befall fast immer dort, wo der Schnee von der Einfahrt oder der Terrasse auf den Rasen geschoben wurde, der Haufen liegt Wochen länger als der Rest und hält die Narbe die ganze Zeit im feuchten Warmen unter Null. Zweitwichtigster Punkt: kein Stickstoff mehr ab Anfang Oktober. Ein Rasen, der weich und satt in den Winter geht, sieht im November toll aus und ist im Februar fleckig.

Vorbeugen

Schneeschimmel vorbeugen

Könnte es auch etwas anderes sein?

Nicht sicher, ob es Schneeschimmel ist?

Schicken Sie uns ein Bild Ihres Rasens, wir schauen es uns an und sagen Ihnen, was wir sehen. Oder gehen Sie zurück zum Rasendoktor.

Häufige Fragen zu Schneeschimmel

Geht Schneeschimmel von allein weg?

In den meisten Fällen ja. Sobald die Temperaturen im Frühjahr steigen und die Fläche abtrocknet, stellt der Pilz sein Wachstum ein und der Rasen wächst aus dem Fleckenrand nach innen zu. Die Wurzeln überleben in der Regel, was Sie sehen, ist geschädigtes Blatt, kein toter Bestand. Nur dort, wo nach vier bis sechs Wochen aktivem Wachstum noch Erde durchscheint, müssen Sie nachsäen.

Gibt es ein Mittel gegen Schneeschimmel?

Für den Haus- und Kleingarten gibt es in Deutschland kein zugelassenes Fungizid gegen Schneeschimmel. Wer Ihnen etwas anderes verkauft, verkauft Ihnen entweder einen Dünger oder ein Mittel, das dafür nicht zugelassen ist. Die wirksamen Hebel sind Kulturmaßnahmen: Laub und Schnee runter, Filz raus, kein Stickstoff im Spätherbst, Fläche auflichten.

Darf ich bei Schneeschimmel vertikutieren?

Nicht während des Befalls und nicht bei nassem oder gefrorenem Boden, Sie reißen die geschwächte Narbe auf und verteilen den Pilz über die ganze Fläche. Warten Sie, bis der Rasen im Frühjahr sichtbar wächst (etwa ab 10 °C Bodentemperatur). Dann ist Vertikutieren genau richtig, weil es den Filz entfernt, in dem der Pilz überdauert. Vorher reicht vorsichtiges Ausharken der Flecken.

Kommt Schneeschimmel jedes Jahr wieder?

Der Erreger ist ohnehin in fast jedem Rasen vorhanden, Sie werden ihn nicht los. Ob er ausbricht, entscheiden Wetter und Pflege. An derselben schattigen, feuchten Ecke wird er in nassen Wintern immer wieder auftauchen, es sei denn, Sie ändern dort die Bedingungen: Hecke zurückschneiden, Filz reduzieren, Boden auflockern, Laub konsequent abräumen.

Ist Schneeschimmel gefährlich für Kinder oder Hunde?

Microdochium nivale ist ein Pflanzenpathogen und für gesunde Menschen und Haustiere nicht als gefährlich bekannt. Trotzdem gilt: Befallene Flächen möglichst nicht betreten, solange sie feucht und weich sind, nicht wegen der Gesundheit, sondern weil jeder Tritt das Myzel verschleppt und die geschwächte Narbe weiter beschädigt.

Wie unterscheide ich Schneeschimmel von Rotspitzigkeit?

Am Jahreszeitpunkt und an der Struktur. Schneeschimmel kommt bei 0–10 °C im nassen Halbjahr und zeigt ein wattiges, weiß-rosa Myzelpolster am Rand runder Flecken. Rotspitzigkeit kommt im Sommer und Herbst, sitzt an den Blattspitzen und bildet rosa-rote, geweihartige Fäden, kein Watteflaum. Und: Rotspitzigkeit ist ein Hinweis auf Stickstoffmangel, Schneeschimmel wird durch zu viel Stickstoff begünstigt.

Kann ich befallene Stellen im Winter schon nachsäen?

Nein, das ist verlorene Saat. Rasensamen keimen erst zuverlässig ab etwa 8–10 °C Bodentemperatur; darunter liegt das Saatgut nur da und verrottet oder wird von Vögeln geholt. Warten Sie das Frühjahr ab, geben Sie dem Rasen vier bis sechs Wochen Zeit zum Zuwachsen und säen Sie dann gezielt nur die Stellen nach, die wirklich kahl geblieben sind.

Bekommt frisch verlegter Rollrasen auch Schneeschimmel?

Ja, das kann passieren, ein Rollrasen ist ein Rasen wie jeder andere und der Erreger ist überall. Frisch verlegte Flächen sind sogar etwas empfindlicher, weil sie im ersten Winter noch nicht komplett durchgewurzelt und oft gut mit Stickstoff versorgt sind. Deshalb: bei Herbstverlegung nicht mehr stickstoffbetont nachdüngen, Laub konsequent abräumen und die Fläche im ersten Winter möglichst wenig betreten.

Weitere Rasenprobleme

Falls Sie Unterstützung benötigen

Nur was bei Schneeschimmel tatsächlich hilft, aus eigener Produktion.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsicher bei der Diagnose?

Schicken Sie uns ein Bild oder rufen Sie an, Sie sprechen direkt mit jemandem, der täglich mit Rasen arbeitet.