Rasendoktor · Diagnose

Rotspitzigkeit im Rasen, erkennen & behandeln

Rotspitzigkeit (Laetisaria fuciformis) erkennen Sie an rosa-roten, geweihartigen Fäden, die aus den Blattspitzen wachsen, und an hellbraunen, unscharf begrenzten Flecken. Der Pilz befällt nur die Blätter, nicht die Wurzeln, er ist in erster Linie ein Anzeiger dafür, dass Ihrem Rasen Stickstoff fehlt. Wer bedarfsgerecht düngt, hat das Problem in der Regel ohne jedes Mittel wieder los.

Lesezeit: ca. 5 Min.
Behandelbar: Ja, ohne Mittel
Beste Zeit: Sofort düngen, Mai bis September
Rasenfläche mit hellbraunen Flecken und rosa-roten Fadenspitzen an den Grashalmen
Betroffen sind meistens
Mai bis Oktober, Schwerpunkt Spätsommer und Herbst Rosa-rote, korallen- bis geweihartige Fäden an den Blattspitzen Vor allem Deutsches Weidelgras und Schwingelarten Flächen mit unterversorgtem, langsam wachsendem Rasen bei feucht-milder Witterung

Diagnose auf einen Blick

Ursache Stickstoffmangel, schwaches Wachstum
Typische Jahreszeit Sommer bis Herbst, 15–25 °C
Schweregrad Gering, nur Blätter betroffen
Behandelbar Ja, allein über die Düngung
Schwierigkeit
Leicht Mittel Schwer
Kann ich das selbst behandeln? Ja, gut selbst behandelbar

Sie brauchen weder Fachbetrieb noch Mittel: Eine bedarfsgerechte Stickstoffdüngung und konsequente Schnittgutabfuhr reichen fast immer aus. Nur wenn die Flächen trotz Düngung über Wochen nicht schließen, lohnt ein Blick auf Boden und Wasserhaushalt.

Soforthilfe

Was jetzt zu tun ist

Das sollten Sie jetzt tun
  • Stickstoffbetonten Rasendünger ausbringen, das ist die eigentliche Behandlung, nicht eine Begleitmaßnahme
  • Schnittgut bei jedem Mähen aufnehmen und aus dem Garten schaffen, nicht mulchen, solange die Fäden sichtbar sind
  • Mähmesser scharf halten und die Schnitthöhe nicht unter 4 cm gehen lassen
  • Morgens wässern, damit die Halme über Tag abtrocknen und nicht ganze Nächte nass bleiben
  • Bei Bewässerung: seltener, aber durchdringend wässern statt jeden Abend kurz
Das sollten Sie vermeiden
  • Fungizide kaufen, im Haus- und Kleingarten ist gegen Rotspitzigkeit kein Mittel zugelassen, und nötig wäre es ohnehin nicht
  • Abends oder nachts beregnen, dauerhaft nasse Blätter sind genau das, was der Pilz braucht
  • Mulchmähen während des Befalls, Sie verteilen Pilzgeflecht über die ganze Fläche
  • Panisch die Flecken abtragen oder umgraben, die Wurzeln sind gesund und treiben wieder aus

Sieht Ihr Rasen so aus?

Vergleichen Sie Ihren Schaden mit ähnlichen Rasenproblemen.

Schneeschimmel
SchneeschimmelWattig weiß-rosa statt harte rote Fäden, und er kommt kühl-feucht im Winter, nicht im milden Spätsommer.
Nährstoffmangel
NährstoffmangelFlächig hell und ohne Fadenstrukturen, die Vorstufe, aus der Rotspitzigkeit überhaupt erst entsteht.
Blattfleckenkrankheit
BlattfleckenkrankheitEinzelne dunkle Flecken mitten auf dem Halm statt Absterben von der Spitze her.
Trockenstress
TrockenstressBoden staubtrocken, Halme legen sich flach, keinerlei Pilzfäden zu sehen.

Symptome

So erkennen Sie Rotspitzigkeit

  • Rosa-rote bis korallenfarbene Fäden an den Blattspitzen, geweih- oder hornartig, 1 bis 5 mm lang, das sicherste Merkmal
  • Hellbraune bis strohfarbene Flecken von etwa 5 bis 30 cm Durchmesser, unscharf begrenzt, oft zusammenfließend
  • Die Halme sterben von der Spitze her ab, die Blattbasis und die Wurzeln bleiben grün und intakt
  • Bei anhaltender Nässe zusätzlich ein zartrosa, watteartiger Belag zwischen den Halmen, morgens am deutlichsten
  • Tritt bei feucht-milder Witterung um 15 bis 25 °C auf, vor allem in Beständen, die seit Wochen kaum noch Zuwachs zeigen
  • Der Rasen wirkt insgesamt hell, dünn und wenig wüchsig, der Befall ist die Folge, nicht die Ursache
Grashalme mit abgestorbenen, hellbraunen Spitzen und roten Pilzfäden im Vordergrund einer fleckigen Rasenfläche
Typische Verwechslungen
  • Schneeschimmel: Schneeschimmel bildet wattig weiß-rosa Myzel und tritt kühl-feucht im Winter und zeitigen Frühjahr auf. Rotspitzigkeit zeigt harte, rote Fadenspitzen und kommt bei milden 15 bis 25 °C im Sommer und Herbst.
  • Trockenstress: Bei Trockenheit fehlen jegliche Fadenstrukturen, der Boden ist staubtrocken und die Halme lassen sich mit dem Finger flachlegen, ohne sich aufzurichten. Rotspitzigkeit tritt gerade bei feuchtem Boden auf.
  • Blattfleckenkrankheit: Die Blattfleckenkrankheit zeigt einzelne dunkle, oft rötlich umrandete Flecken mitten auf dem Halm. Bei Rotspitzigkeit stirbt der Halm von der Spitze her ab, mit rotem Faden obendrauf.
  • Nährstoffmangel ohne Pilzbefall: Reiner Stickstoffmangel färbt den Rasen flächig gleichmäßig hellgrün bis gelb, ohne abgegrenzte Flecken und ohne Fäden. Bei Rotspitzigkeit setzt sich der Pilz auf die geschwächten Halme obendrauf.

Ursachen

Wie entsteht Rotspitzigkeit?

Wetter Feucht-milde Phasen um 15 bis 25 °C mit langer Taunässe, typisch im Spätsommer und Frühherbst.
Boden Verdichtete oder verfilzte Böden verzögern die Nährstoffaufnahme und halten die Grasnarbe länger feucht.
Pflege Zu tiefer Schnitt, stumpfe Messer und liegen gebliebenes Schnittgut halten den Pilz in der Fläche.
Nährstoffe Die eigentliche Ursache: Stickstoffmangel. Der Rasen wächst zu langsam, um befallenes Blattgewebe nachzuschieben, und wird so überhaupt erst anfällig.
Feuchtigkeit Abendliche Beregnung und Flächen, die nach Regen schlecht abtrocknen, verlängern die Blattnässe, die der Pilz zum Wachsen braucht.
Pilze / Schädlinge Laetisaria fuciformis, ein bodenbürtiger Pilz, der praktisch überall vorhanden ist und nur bei schwachem Wachstum sichtbar wird.

Behandlung

Rotspitzigkeit behandeln, Schritt für Schritt

  1. 1
    Stickstoff nachlegen

    Bringen Sie einen stickstoffbetonten Rasendünger nach Herstellerangabe aus, das ist bei Rotspitzigkeit nicht die Begleitmaßnahme, sondern die Behandlung. Der Rasen schiebt neues Blatt nach, und der Pilz verschwindet mit dem Schnittgut.

  2. 2
    Schnittgut konsequent abfahren

    Mähen Sie mit Fangkorb und entsorgen Sie das Material, solange rote Fäden sichtbar sind. Mulchen verteilt den Erreger nur über die Fläche.

  3. 3
    Schnitthöhe und Messer prüfen

    Bleiben Sie bei 4 bis 5 cm und schärfen Sie die Messer. Ausgefranste Schnittflächen sind offene Eintrittspforten und trocknen langsamer ab.

  4. 4
    Wässerung auf morgens umstellen

    Wässern Sie einmal in ein bis zwei Wochen durchdringend, und zwar am frühen Vormittag. So sind die Halme über Tag trocken statt die ganze Nacht nass.

  5. 5
    Bei Lücken nachsäen

    Sind nach zwei bis drei Wochen noch kahle Stellen zu sehen, säen Sie dort mit Rasensamen nach. In den meisten Fällen wächst die Fläche allein durch die Düngung wieder zu und Sie sparen sich diesen Schritt.

Wann wird der Rasen wieder gesund?

Erste Verbesserung 1–2 Wochen nach der Düngung
Vollständige Erholung 3–6 Wochen, je nach Witterung
Pflegeaufwand gering
Worauf achten Legen Sie den Dünger wirklich nach, statt nur zu warten. Ohne Stickstoff wächst der Rasen nicht aus dem Befall heraus, und die Flecken bleiben bis in den Herbst stehen.

Wie schnell es geht, hängt vor allem an der Temperatur: Bei milden 15 bis 20 °C und ausreichend Bodenfeuchte schließt sich der Bestand zügig. Fällt die Düngung in eine kalte oder sehr trockene Phase, dauert es entsprechend länger, der Rasen erholt sich trotzdem, nur eben langsamer.

Hedderich empfiehlt

Wenn uns Kunden ein Foto mit roten Fäden schicken, ist unsere erste Frage nie „welcher Pilz?“, sondern „wann haben Sie zuletzt gedüngt?“. In neun von zehn Fällen liegt die letzte Düngung im Frühjahr oder noch länger zurück. Rotspitzigkeit ist keine Krankheit, die man bekämpft, sie ist die Quittung für eine ausgelassene Sommerdüngung. Düngen Sie, mähen Sie mit Fangkorb, und die Sache erledigt sich von selbst.

Vorbeugen

Rotspitzigkeit vorbeugen

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Häufige Fragen zu Rotspitzigkeit

Ist Rotspitzigkeit gefährlich für meinen Rasen?

Nein. Laetisaria fuciformis befällt nur das Blattgewebe, nicht die Wurzeln oder die Triebbasis. Der Rasen sieht unschön aus, stirbt aber nicht ab und treibt nach einer Düngung wieder durch. Gefährlich ist nur, den Befall über Monate zu ignorieren, dann bleibt der Bestand dünn und Unkraut nutzt die Lücken.

Geht Rotspitzigkeit von allein weg?

Bei ausreichend versorgtem Rasen ja, oft innerhalb weniger Wochen. Bleibt die Stickstoffversorgung aber so schwach wie bisher, wächst der Rasen nicht aus dem Befall heraus und die Flecken stehen bis in den Herbst. Verlassen Sie sich also nicht aufs Aussitzen, sondern düngen Sie nach, das ist der ganze Unterschied zwischen zwei Wochen und zwei Monaten.

Darf ich bei Rotspitzigkeit mähen?

Ja, und Sie sollten sogar. Mähen Sie mit scharfen Messern, mit Fangkorb und nicht tiefer als 4 cm. Mit jedem Schnitt nehmen Sie befallenes Blattmaterial samt Fadenspitzen aus der Fläche. Entsorgen Sie das Schnittgut, statt es zu mulchen oder liegen zu lassen.

Ist Rotspitzigkeit ansteckend für den Nachbarrasen?

Der Pilz ist in fast jedem Boden ohnehin vorhanden, er kommt nicht von nebenan herübergewandert, sondern wird sichtbar, wenn ein Rasen zu langsam wächst. Übertragen wird er allenfalls mechanisch, etwa über Schuhe oder einen Mäher, den Sie ungereinigt zwischen den Flächen tauschen. Ein gut gedüngter Nachbarrasen bekommt trotzdem keinen Befall.

Welcher Dünger hilft gegen Rotspitzigkeit?

Ein stickstoffbetonter Rasendünger, nach Herstellerangabe ausgebracht. Kalium- oder Herbstdünger mit wenig Stickstoff bringen hier nichts, weil sie genau den Nährstoff nicht liefern, der fehlt. Wichtig ist die Menge nach Packungsangabe, mehr hilft nicht schneller, sondern verbrennt die Narbe.

Gibt es ein zugelassenes Fungizid gegen Rotspitzigkeit?

Im Haus- und Kleingarten ist gegen Rotspitzigkeit kein Fungizid zugelassen. Das ist hier auch kein Nachteil: Der Befall ist ein Mangelsymptom, kein Bekämpfungsfall. Düngung und Schnittgutabfuhr lösen das Problem an der Wurzel, ein Mittel würde nur die Folge kaschieren.

Muss ich die befallenen Stellen ausstechen und neu verlegen?

Nein. Weil die Wurzeln gesund bleiben, treiben die Flecken nach der Düngung wieder aus. Ausstechen und neu verlegen wäre bei Rotspitzigkeit rausgeworfenes Geld, sparen Sie sich das für Schäden, bei denen die Narbe wirklich tot ist.

Kann frisch verlegter Rollrasen Rotspitzigkeit bekommen?

Ja, wenn er in den ersten Monaten nicht gedüngt wird. Frischer Rollrasen zehrt anfangs von der Nährstoffreserve aus der Produktion; die ist nach etwa sechs bis acht Wochen aufgebraucht. Wer dann nicht nachlegt, hat im ersten Spätsommer schnell rote Fäden im Bestand. Die erste Düngung nach dem Anwachsen ist deshalb Pflicht, keine Kür.

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Falls Sie Unterstützung benötigen

Nur was bei Rotspitzigkeit tatsächlich hilft, aus eigener Produktion.

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